Kategorie-Archiv: Seine Filme

Der rote Korsar. Burt Lancaster in Bestform

Ein farbenprächtiges Piraten-Spektakel aus dem Hollywood der frühen 1950er Jahre. Hauptdarsteller und Co-Produzent: Burt Lancaster.

Wir schreiben das 18. Jahrhundert, eine Zeit, in der Piraten noch relativ leichtes Spiel hatten. Das Kapern von Schiffen. Nun ja, Gründe dafür gab es natürlich reichlich. Aber der rote Korsar ist in einer Mission unterwegs. Sicher, er will die Ladung des zu enternden Schiffes erbeuten, hat dabei aber durchaus ehrenhafte Beweggründe. Ja, ein Robin Hood zur See. So könnte man Kapitän Vallo nennen. Eine Rolle, die Burt Lancaster auf den Leib geschneidert war.

Orte und Namen spielen in diesem grandiosen Hollywood-Spektakel kaum eine Rolle. Es geht um einen König, der sich offenbar nicht allzu großer Beliebtheit erfreut. Unmut macht sich breit, eine Rebellion baut sich auf. Die Herrschaft des Königs soll mit Waffengewalt niedergeschlagen werden.

Also: Ein Schiff der königlichen Marine ist auf dem Weg zu der fiktiven Insel Cobra.  Cobra, das klingt gefährlich. Muss es auch, denn hier formiert sich der Widerstand gegen den Herrscher. An Bord des Schiffes ist ein Sonderbeauftragter des Königs, und jede Menge Waffen.

Ja, und dann ist da selbstverständlich der Revolutionsführer mit dem wohlklingenden Namen el Libre. Natürlich ist die Ähnlichkeit mit dem Namen des spanischen Freiheitskämpfers El Cid beabsichtigt. Denn dieser Film mit einem grandiosen Burt Lancaster ist durchaus auch eine Komödie.

El Libre also, der Freie, der Freiheitskämpfer, der selbstverständlich eine bildschöne Tochter hat. Aber bis zum Happy End kommt es noch zu spannenden Ränkespielen, zu Verwicklungen. Es geht um Geld, es geht um vorgetäuschte Versprechen; ein Hin und Her. El Libre wird inhaftiert und selbstverständlich von Kapitän Vallo alias Burt Lancaster befreit. Letztlich aber kommt El Libre ums Leben.

Ein lupenreiner Wohltäter ist Kapitän Vallo allerdings nicht. Er will auch seinen Reibach machen. Bares will er sehen, wenn er die mit dem Schiff erbeuteten Waffen an den Freiheitskämpfer El Libre übergibt. Auch El Libres Tochter, die schöne Consuelo, beschleicht der Gedanke, dass der Geliebte durchaus auch ein Geschäftsmann ist. Nun ja, der Mann musste auch leben. Und zudem will er ja auch in Bälde seine Geliebte Consuelo heimführen.

Burt Lancaster, breitschultrig und absolut unerschrocken. Und äußerst bemerkenswert seine Stunts, bei denen er sich nicht doubeln lässt. Eine Frage der Ehre und eine Selbstverständlichkeit für Lancaster, der in jungen Jahren im berühmten Artisten-Duo „Lang & Cravat“ auftrat.

Wie gesagt, eine Komödie. Und deshalb verzeiht man dem herrlichen Piratenspektakel sehr gerne die Auftritte eines Professors, der im Namen des Guten neuzeitliche Waffen wie  Nitroglyzerin-Bomben, Flammenwerfer, Panzer und ein U-Boot konstruiert. Ja, und einen Heißluftballon. Alles im Namen der Freiheit.

Ein abenteuerliches Leben, das Kapitän Vallo und seine Consuelo letztlich in den ruhigen Hafen der Ehe steuert. Das rasante Tempo, das Burt Lancaster als Roter Korsar vorgibt, kann man nicht ewig beibehalten.

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Der Leopard „1963“

Der am 27. März 1963 in Rom uraufgeführte italienisch-französische Spielfilm  „Il Gattapardo“ (deutscher Titel: „Der Leopard“) gilt als eines der meisterlichsten cineastischen  Umsetzungen großer Weltliteratur. Regisseur Lucchino Visconti (1906-1976) gelang es, Thematik und vor allem die Atmosphäre des 1958 postum erschienenen einzigen Romans, „Il Gattopardo“, von Giuseppe Tomasi die Lampedusa (1896-1957) kongenial einzufangen.

In seinem Werk hatte der Autor, ein Angehöriger des sizilianischen Ur-Adels, vor dem Hintergrund einer entscheidenden Episode der italienischen Geschichte am Beispiel  einer Adelsfamilie den schleichenden Verfall von politischen und familiären Traditionsstrukturen und deren Ablösung durch Konzepte geschildert, die letztlich nichts prinzipiell Neues, sondern lediglich ein Auswechseln der Form und der Handelnden bedeutet. In dem vom Tomasi di Lampedusa geschilderten Fall wird die schwindende Macht der alten Aristokratie vom an der Spitze des Adelshauses Salina stehenden Fürsten Fabrizio repräsentiert, der nach der Überzeugung, dass sich stets etwas ändern müsse, damit alles (und insbesondere auf Sizilien)  beim Gleichen bleiben kann, lebt. Der sowohl virile wie auch träge und kultivierte Fürst erkennt ohne großes Bedauern, dass mit der vom revolutionär-idealistischen  Freiheitshelden Giuseppe Garibaldi voran getriebenen und von konservativ-liberalen Politikern des gehobenen Bürgertums instrumentalisierten Einigung des bis 1860 in zahlreiche Kleinstaaten geteilten Italiens die Macht des Adels an bürgerliche Aufsteiger abgegeben werden wird. Bürgerliche, die wiederum Dünkel und Lebensweise des Adels kopieren werden, und so die Kontinuität von Macht und Beherrschen fortsetzen werden.

Wie das Buch ist auch der im Original 205 Minuten lange, im Kino und Fernsehen oft lediglich in erheblich verkürzten Versionen verstümmelt gezeigte, Film von Pracht und Morbidität geprägt. Der enorme Aufwand bei den Dreharbeiten 1962 an Originalschauplätzen, wie dem Castello di Donnafugata,  hat die Produktionsfirma Titanus ruiniert. Visconti, selbst von adliger Herkunft, verlangte strikten historischen Realismus ohne Rücksicht auf Kosten bei der Darstellung von Schlachten, Landschaftsszenen und Bällen. Legendär wurde die Dreharbeit für die Ballszene mit echten Adligen als Statisten im Palazzo Gangi in Palermo: 48 Drehtage, 100 Elektriker und 120 Schneider.

Für die zentrale Rolle des Fürsten hatte sich Visconti den britischen Star Laurence Olivier gewünscht, doch der Produzent wollte aus  marketingtechnischen Gründen den US-Star Burt Lancaster (1913-1997) verpflichten. Visconti, der den für seine Western- und Abenteurerrollen bekannten Lancaster zunächst als unpassend abgelehnt hatte, bildete mit dem US-Star bald ein hervorragendes Spitzenteam. Lancaster überzeugte nicht nur ihn, sondern auch das Kino-Publikum. Unter den weiteren Schauspielern ragten vor allem Alain Delon als charmanter Aufsteiger und politischer Opportunist Tancredi sowie Claudia Cardinale als lebensvolle Bürgerstochter Angelica heraus.

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