Der Leopard „1963“

Der am 27. März 1963 in Rom uraufgeführte italienisch-französische Spielfilm  „Il Gattapardo“ (deutscher Titel: „Der Leopard“) gilt als eines der meisterlichsten cineastischen  Umsetzungen großer Weltliteratur. Regisseur Lucchino Visconti (1906-1976) gelang es, Thematik und vor allem die Atmosphäre des 1958 postum erschienenen einzigen Romans, „Il Gattopardo“, von Giuseppe Tomasi die Lampedusa (1896-1957) kongenial einzufangen.

In seinem Werk hatte der Autor, ein Angehöriger des sizilianischen Ur-Adels, vor dem Hintergrund einer entscheidenden Episode der italienischen Geschichte am Beispiel  einer Adelsfamilie den schleichenden Verfall von politischen und familiären Traditionsstrukturen und deren Ablösung durch Konzepte geschildert, die letztlich nichts prinzipiell Neues, sondern lediglich ein Auswechseln der Form und der Handelnden bedeutet. In dem vom Tomasi di Lampedusa geschilderten Fall wird die schwindende Macht der alten Aristokratie vom an der Spitze des Adelshauses Salina stehenden Fürsten Fabrizio repräsentiert, der nach der Überzeugung, dass sich stets etwas ändern müsse, damit alles (und insbesondere auf Sizilien)  beim Gleichen bleiben kann, lebt. Der sowohl virile wie auch träge und kultivierte Fürst erkennt ohne großes Bedauern, dass mit der vom revolutionär-idealistischen  Freiheitshelden Giuseppe Garibaldi voran getriebenen und von konservativ-liberalen Politikern des gehobenen Bürgertums instrumentalisierten Einigung des bis 1860 in zahlreiche Kleinstaaten geteilten Italiens die Macht des Adels an bürgerliche Aufsteiger abgegeben werden wird. Bürgerliche, die wiederum Dünkel und Lebensweise des Adels kopieren werden, und so die Kontinuität von Macht und Beherrschen fortsetzen werden.

Wie das Buch ist auch der im Original 205 Minuten lange, im Kino und Fernsehen oft lediglich in erheblich verkürzten Versionen verstümmelt gezeigte, Film von Pracht und Morbidität geprägt. Der enorme Aufwand bei den Dreharbeiten 1962 an Originalschauplätzen, wie dem Castello di Donnafugata,  hat die Produktionsfirma Titanus ruiniert. Visconti, selbst von adliger Herkunft, verlangte strikten historischen Realismus ohne Rücksicht auf Kosten bei der Darstellung von Schlachten, Landschaftsszenen und Bällen. Legendär wurde die Dreharbeit für die Ballszene mit echten Adligen als Statisten im Palazzo Gangi in Palermo: 48 Drehtage, 100 Elektriker und 120 Schneider.

Für die zentrale Rolle des Fürsten hatte sich Visconti den britischen Star Laurence Olivier gewünscht, doch der Produzent wollte aus  marketingtechnischen Gründen den US-Star Burt Lancaster (1913-1997) verpflichten. Visconti, der den für seine Western- und Abenteurerrollen bekannten Lancaster zunächst als unpassend abgelehnt hatte, bildete mit dem US-Star bald ein hervorragendes Spitzenteam. Lancaster überzeugte nicht nur ihn, sondern auch das Kino-Publikum. Unter den weiteren Schauspielern ragten vor allem Alain Delon als charmanter Aufsteiger und politischer Opportunist Tancredi sowie Claudia Cardinale als lebensvolle Bürgerstochter Angelica heraus.

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